Leopold Achilles
Diese Saison stellen wir einige ausgewählte Teams vor – u.a. ihren Hintergrund, ihre Motivation, ihre Ziele, ihre Teilnehmer, ihre Fahrzeuge.
Das zweite Team kommt aus dem Kreis Unna, genauer aus Kamen. Dieses Team entspringt der Kamener Stadtverwaltung, welche seit 2024 zu den größten medialen Supportern unserer Frostpendeln Aktion gilt – an dieser Stelle ein fettes DANKE an Euch.
Team-Kapitän Emil spricht hier insbesondere über die persönlichen Herausforderungen erstmal aufs Rad zu kommen und was dabei geholfen hat.
Kreis Unna united
Wie Emil und das Frostpendeln ziemlich beste Freunde wurden:
Es muss ungefähr der Winter zwischen den Jahren 21/22 gewesen sein, als das Frostpendeln bei mir das erste Mal auf Instagram in mein Feed gespült wurde. „Uh!“ dachte ich mir da, „die sind aber echt unerschrocken! Coool!“ Ich persönlich war zu der Zeit auf der Suche nach neuen Wegen, klimafreundlich unterwegs sein zu können. Corona hatte es zu dem Zeitpunkt erfolgreich geschafft, mir das Bahnfahren zur Arbeit zu vergrätzen. Das Auto stand immer parat vor der Tür und 50 km Arbeitsweg hin und zurück mit dem Rad erschienen mir zu der Zeit völlig undenkbar. „Schließlich sind E-Bikes ja nur etwas für Rentner, damit die am Wochenende ein Café ansteuern können, das sonst eigentlich außerhalb ihres Radius liegt,“ so meine feste Überzeugung.
Entgegen dieser Überzeugung kam ich zum Stadtradeln im Mai 2022 dann auf die Idee, meinem Chef für 21 Tage ein Leih-E-Bike der örtlichen Radstation aus den Rippen zu leiern. Ich wollte dem E-Bike einfach mal einen Chance geben mir zu zeigen, ob sich die 50 km damit bewerkstelligen lassen. Nun, was soll ich sagen. Mein kleines Experiment zeigte mir, dass das E-Bike auch auf der (Lang-)Strecke eine echte Alternative zum Auto ist. Nur scheiße, dass E-Bikes so teuer sind. Also wartete ich noch ein bisschen, schließlich sollte die Stadt Kamen bald Jobradleasing bekommen. Der Sommer neigte sich dem Ende und noch immer war kein Jobrad in Aussicht. Okay, dann musste ich das also selber in die Hand nehmen. Ich als Sparfuchs hätte mich damals niemals für einen Riemen entschieden. Aus heutiger Sicht aber mega gut, dass sich an der Stelle damals mein Mann mit dem Wunsch nach einem Riemen durchgesetzt hat. Schließlich hatten wir ein Fahrradmodell gewählt, welches wir beide nutzen wollten.
Im September 2022 stand somit endlich mein eigener flotter E-Flitzer vor der Tür. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich damals zu meinem Nachbarn sagte, „mal schauen, wie weit ich Richtung Winter komme!“ Denn vor Regen und Kälte hatte ich großen Respekt. Ich bin halt eine riesen Frostbeule. Mit den Winterfahrradfotos vom Frostpendeln im Hinterkopf fuhr ich im September also los und dann einfach immer weiter. Als Sparfuchs anfangs noch mit dem Zeug, was ich so aus der Garderobe zog. Später stellte ich natürlich fest, dass jeder einzelne Euro in den guten Winterparker eine mega Investition war. Nun habe ich das für mich perfekte Setting gegen Regen und Kälte gefunden, sodass ich mein Rad heute nur noch bei Glätte im Schuppen stehenlasse. „Safety first!“ ist mir außerordentlich wichtig, da hört der Spaß bei mir auf.
Mein Frostpendeln-Team bestand Anfangs aus einer handvoll ArbeitskolleInnen im Rathaus Kamen. Über die Jahre entwickelte sich dies zum „Offenen Team Kamen“ bis hin zum Team „Kreis Unna united“. Ich freue mich da mittlerweile riesig über
- die bunte Mischung aus KollegInnen aus dem Kreis Unna
- einer ganzen Reihe von ADFClerInnen
- sowie zahlreichen BürgerInnen, die wir uns da gemeinsam in dem Team zusammengefunden haben, um uns jedes Jahr aufs Neue gegenseitig zu motivieren.
In meinen Augen ist die mit dem Frostpendeln verknüpfte Botschaft „das Rad funktioniert auch im Winter“ unfassbar wichtig, denn das Rad wird im Winter einfach nicht als Fortbewegungsmittel wahrgenommen und zudem auch noch falsch dargestellt. So hatte ich lange Zeit einen Flyer der Verbraucherzentrale zum Thema Winterradeln auf dem Tisch, worauf der Typ mit weißem Hemd und Anzug auf seinem Rad unterwegs war. Frostpendeln ist da in meinen Augen maximal authentisch und inspiriert die Menschen wirklich, das Rad auch im Winter als Fortbewegungsmittel in Betracht zu ziehen.
Meine ganz zentralen Erkenntnisse aus den letzten Jahren sind:
- Warte nicht auf irgendetwas. Nicht auf ein Jobradleasing, nicht auf Asphalt. Mach es einfach!
- Investiere in qualitativ hochwertiges Material. (Ohne Riemen wäre ich auf meinen dreckigen Strecken echt aufgeschmissen.)
- Matsche tut nicht weh!
Für mich ganz persönlich ist das Ganzjahresradeln ein riesen Gewinn an Lebensqualität. Insbesondere deshalb, weil Sport und Me-Time vorher absolut nicht mehr in meinen vollen Familientagesablauf gepasst haben. Die Frostpendelnbilder auf Instagram haben dabei einen ganz zentralen Ausschlag zum aktiv werden bei mir gegeben. Denn wirklich vorwärts kommen wir in Sachen Mobilitätswende nur, wenn wir bereit sind auch mal unsere Komfortzone zu verlassen und Neues zu wagen.
Wenn auch du mich auf meiner Reise begleiten möchtest, schau doch einmal bei „Emil und der Klimaschutz“ auf Instagram vorbei!
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Wir wünschen Euch weiter steigende Teilnehmerzahlen im Team und allzeit gute Fahrt.
